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Ausgabe 3 - Klappe die Dritte.

 
 
"Die ertrinken trocken" - Hochwasserinterview

Autor: AndreaS, 21.09.2002

Die Monster AG - DVD-Tipp

Autor: Kathi :), 21.09.2002

48 Stunden in LA - Startreff in Hollywood

Autor: AndreaS, 21.09.2002

Das Benefizkonzert - Dörpsweg für Dresden

Autor: Wanda, 21.09.2002

"Rücksturz zur Erde" - Orion auf DVD

Autor: Detlev, 21.09.2002

Bei eMail Mord: "Lautloses Duell"

Autor: Detlev, 21.09.2002

"DRK - Dich rettet keiner!" - Erste Hilfe

Autor: Detlev, 21.09.2002

Ins Netz gegangen - Spiderman auf dem PC

Autor: Detlev, 21.09.2002

"Nichts Neues unter der Sonne..." - gecoverte Musik

Autor: Detlev, 21.09.2002

Championsleaque - Gruppen und Termine

Autor: Anna, 21.09.2002

 
 

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Ausgabe 3 - Klappe die Dritte.

21.09.2002, Artikel: 12

 
 

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"Die ertrinken trocken" - Hochwasserinterview

Von: AndreaS, 21.09.2002

"Die ertrinken trocken..." Eine betroffene Familie über den Katastrophen-Alltag Pech In einem kleinen, alten Haus auf dem Elbhang gegenüber des Schlosses Pillnitz in Dresden, wohnt eine 7-köpfige Familie. Vater Ekkehard, 37 Jahre alt, ist selbstständiger Physiotherapeut mit einer eigenen Praxis. Seine Frau Kristiane (36 J.) hilft tatkräftig mit. Dann sind da noch die älteste Tochter Magdalena (16), Albrecht (15), Theresa (13), Agatha (11) und die Jüngste, Dorothea (6). Sie gehen auf die einzige Waldorfschule in Dresden. Sie sind eine sehr musische und sportliche Familie: Erst vor zwei Jahren haben sie gemeinsam eine zweiwöchige Fahrradtour von Cuxhaven elbaufwärts nach Dresden unternommen. Ihr Flügel, den sie sich am Anfang des Jahres gegönnt hatten, ist ihr ein und alles. Ein weiteres Hobby ist ihr Garten, den sie mit viel Liebe pflegen. Da die rund 80m²-Wohnung der aktiven Familie zu klein wurde, haben sie im letzten Jahr in mühevoller Handarbeit einen Anbau gebaut. Nun wollten sie eine größere Praxis eröffnen. Als Mitte August dieses Jahres die Hochwasserkatastrophe einsetze, und schon das Gartenhaus im unteren Teil des Grundstückes unter der Wasseroberfläche lag, nahmen sie es noch mit Humor, und fuhren in einem Schlauchboot durch die Straßen. Erst als das Wasser in ihrem Wohnzimmer stand, wurde der Optimismus der lebensfrohen Familie leicht getrübt. Am letzten Abend spielte Magdalena auf ihrem Flügel, kurz bevor das steigende Wasser das höhergestellte Instrument erreichte und bis zur Unkenntlichkeit zerstörte. Ironischer Weise trägt diese Familie wirklich den Namen "Pech". Dörpsweg hilft Als wir die Fernsehübertragungen aus dem Katastrophengebiet im Fernsehen verfolgten, wollten wir natürlich unbedingt helfen. Unsere erste Idee war eine andere Schule zu unterstützen, doch die, hieß es, seien gut versorgt. Dann vermittelte uns die Bundestagsabgeordnete Frau Mertens, die erst kürzlich an unserer Schule zu Gast war, aus einer Liste besonders stark Betroffener diese Familie. Sofort starteten wir eine Spendensammlung in der gesamten Schulöffentlichkeit und organisierten, das ist vor allem Frau Oerding und Herrn Hinsch zu verdanken, blitzschnell ein Benefizkonzert. Insgesamt nahmen wir so über 3600 Euro an Spendengeldern ein, die ich mit unserem Schulleiter Herrn Wehde am Dienstag, den 17.September persönlich in Dresden überreichte. Dabei stellten sich Herr und Frau Pech für ein Interview zu Verfügung. --------------- Das Interview Den Verlauf der Flut haben viele im Fernsehen verfolgt, die Pegelstände regelmäßig gehört. Wann hat Sie das Wasser erreicht? Kristiane: "Das war ein Mittwoch, in der Nacht vom 14. zum 15. , so um 03:00. Da ist es hier ins Haus eingedrungen." Wann hatte sich das angekündigt? Kristiane: "An dem Montag waren die starken Regenfälle, Dienstag stand das Wasser schon unten im Garten. Da hatten die Kinder auch schon schulfrei. Am Mittwoch ist das Wasser stetig gestiegen, mal langsamer mal schneller, als es dann im oberen Gartenbereich war, dann ist es ganz schnell gegangen." Was war ihre unmittelbare Reaktion darauf? Welche Maßnahmen haben Sie getroffen? Kristiane: "Angefangen haben wir am Dienstagvormittag, aus dem Schuppen im Garten noch ein bisschen was zu retten, zum Beispiel die alten Fahrräder, die dort unten standen. Die haben wir dann erst mal hier hoch getragen, und parallel dazu sicherheitshalber das Wohnzimmer ausgeräumt, also die Möbel alle in die erste Etage gebracht. Als es unten schon mehr wurde, haben wir den Wall weitergebaut, angefangen hatten wir den schon vorher. Mit Folien und Steinen, Sand und Säcken um die tieferliegenden Fenster zu schützen." Wie war die Stimmung hier in der Gegend während des Hochwassers? Ekkehard: "Das muss man differenzieren. Die Zeit bevor das Wasser da war - so viele Leute habe ich noch nie in Klein Schachwitz gesehen als Nachbarn, wie wir hier hatten - wir hatten hier hinter dem Haus noch einen großen Sandhaufen, von einem Teich den wir gebaut hatten. Und da habe ich einem Einzigen gesagt, du kannst bei uns Sand holen, um Sandsäcke zu machen, und auf einmal hatten wir so 40 Leute auf einem Haufen, die alle Sandsäcke machten. Das waren alle möglichen Nachbarn hier rundherum." Kristiane: "Es war eigentlich eine fieberhafte Geschäftigkeit, jeder hat Sandsäcke gefüllt, oder schon Keller ausgepumpt, die vom Wasser betroffen waren, vom Regenwasser halt, das die Kanalisation nicht aufnehmen konnte. Und ich habe noch schnell versucht Zwiebeln und Kartoffeln zu retten, die dann allerdings trotzdem den Fluten zum Opfer gefallen sind. Es regnete in Strömen, aber jeder hatte total zu arbeiten. Das waren die, die hier wohnten. Und dann gab es noch die, die hier spazieren gegangen sind, die sind ja auch nicht mehr arbeiten gefahren und Schulen waren keine, und die gingen dann hier mit Regenschirmchen und Kamera gerüstet hier durch die Straßen, und guckten, wie hoch denn das Wasser schon ist. Fast ferienhaft." Ekkehard: "Dann war noch die Zeit des Hochwassers, in der hier fast alle evakuiert waren. Da war hier eine ganz eigenartige Stimmung, eine Ruhe, wie man sie beschreibt, eine Ruhe vor dem Sturm. Es war ganz gespenstisch, kann man gar nicht beschreiben. Die ganze Straßen ruhig, vereinzelt Vögel, aber selbst die waren stumm. Normalerweise ist hier ein Vogelparadies, ganz eigenartig." Wie hoch schätzen Sie Ihren finanziellen Schaden? Ekkehard: "Also hier gehen wir von reichlich 100.000 Euro Schaden aus. In der Praxis sind es ungefähr 40.000 Euro." Wie war die Hilfsbereitschaft? Ekkehard: "Also wir hatte erst mal ein ganz, ganz großes Klientel an Helfern. Einmal Leute, die von sonst wo her gekommen sind, weil sie gehört haben, da ist ein Unglück geschehen. Die sind einfach gekommen und haben gesagt "hallo hier sind wir, was können wir tun?"." Ekkehard: "Auch hier aus der Region Leute die nicht betroffen waren, sind einfach gekommen und haben geholfen. Dank unserer vielen Kinder haben wir auch Hilfe aus den Schulen erhalten, teilweise ganze Schulklassen, die dann hierher gekommen sind und geräumt haben." Kristiane: "Sogar Lehrer! Die hatten dann gerade mal eine Stunde oder so Zeit, sind gekommen, haben geholfen, und sind wieder gegangen." Ekkehard: "Draußen auf den Straßen türmte sich 2-3 m hoch der Müll rechts und links von der Straße in der ganzen Länge. Das ist unglaublich, was da von Müllanfall war. Man spricht in Dresden davon, das hat man statistisch erfasst, dass es das Müllaufkommen von 3 Jahren war, was hier entsorgt werden musste. Da können Sie sich etwa vorstellen, was da an Hilfeleistungen gebraucht wurden, und was da gekommen ist. Das ist wirklich unbeschreiblich. Ich sag mal so, da hat man in 2 Wochen Erfahrungen für 10 Jahre gesammelt." Kristiane: "Aber nicht nur wir, alle hatten viele Helfer, das war manchmal schwierig die Arbeit gut zu verteilen. Wir sind total dankbar das wir Massen, wirklich Massen von Helfern hatten, die einfach mit angepackt haben." Welche finanzielle Unterstützung haben Sie schon erhalten? Kristiane: "Es gibt für Firmen verschiedene Programme. Wir haben relativ problemlos alles beantragt und bekommen, man musste zwar immer einen Stapel Papiere ausfüllen, aber das waren konkret 500 Euro pro Mitarbeiter und 15.000 Euro für das Unternehmen. Jetzt gab es noch mal eine Ausschüttung von 1000 Euro pro Unternehmen. Das sind immer so punktuelle Ausschüttungen, die man am Rathaus beantragen kann. Dann gibt es noch günstige Kredite. Da gibt es leider ziemlich komplizierte Auflagen, da weiß man nicht ob sie damit wirklich helfen wollen, oder ob sie das nur sagen. Privat ist es so, dass wir auf dieses alte Haus noch die alte Allianz-Versicherung haben, die es zu DDR-Zeiten gab. Damit waren Elementarschäden versichert. Und da der Anbau ja noch nicht vollständig fertig ist, ist er mit bauversichert. Das hängt aber auch immer von den Versicherungsvertretern ab, derjenige, der bei uns war, hat sich sehr kooperativ gezeigt. Vielleicht hat er ja selber auch einen Hochwasserschaden an seinem Haus." Wann stehen Sie wirtschaftlich wieder auf eigenen Beinen? Ekkehard: "Sobald die Praxis wieder läuft. Wann das der Fall sein wird, kann man nicht sagen. Unmittelbar bevor dieser Hochwasserschaden kam, waren wir dabei in eine neue Praxis umzuziehen. Das ist aber in Folge der mangelnden Liquidität erst mal den Bach runter gegangen, oder die Elbe. Die finanziellen Mittel, die wir von der Sparkasse beantragen wollten, sind erst mal auf Eis gelegt. Da muss erst mal die Liquidität geprüft werden, also brauche ich erst mal die Bescheinigungen der Bank und dann muss ich dort renovieren, bevor ich dort anfangen kann zu praktizieren." Sind Sie mit den Soforthilfemaßnahmen zufrieden gewesen? Ekkehard: "Jein, wir sind ja als kinderreich zu zählen, und es gibt so ein "Kopfgeld" von 500 Euro. Das gibt es aber nur für die Eltern und 2 Kinder. Das ist eine unzureichende Variante, die ich nicht verstehe. Wenn sich heute eine Regierung als familienfreundlich darstellt, sollte sie zumindest in solchen Regelungen ihre Bestimmung auch so auslegen. Die staatlichen Hilfen sind eigentlich nach meiner Meinung nicht ausreichend organisiert, nicht übergreifend und nicht durchdacht." Kristiane: "Ich glaube, es war auch die Schwierigkeit, dass die sich ganz schnell was ausdenken mussten. Da werden natürlich Regeln und Richtlinien aufgestellt. Eine Richtlinie war zum Beispiel, dass es keinerlei Unterstützung aus dem Soforthilfeprogramm gibt, wenn bloß der Keller überflutet ist, es musste mindestens ein Wohnraum überflutet sein." Wie beurteilen Sie die Fernsehberichterstattungen? Wurde die Realität gut widergespiegelt? Ekkehard: "Unzureichend. Das Gebiet oberhalb von Dresden ist überhaupt nicht drinnen gewesen in der Berichterstattung. Überhaupt die Information über dieses ganze Geschehen war eigentlich sehr auf Publicity ausgelegt. Es wurden einige Häuser gezeigt, die da durch die Gegend geschwommen sind und so, aber das ist ja nun nicht alles gewesen." Kristiane: "Die Darstellung war teilweise auch übertrieben und gar nicht so richtig. Zum Beispiel der Theaterplatz: wir haben ja zuerst auch nur die Fernsehbilder gesehen, und haben echt gedacht, das alles mindestens knietief unter Wasser steht. Und da war auch viel Wasser, aber man konnte durchaus trockenen Fußes eine Runde durch die Altstadt laufen. Es war teilweise ein wenig überdramatisiert, hat natürlich auf der anderen Seite auch enorme Wellen der Hilfsbereitschaft ausgelöst." Ekkehard: "Das hat natürlich auch seine Nachteile gehabt. Was liest man: "Dresden Seuchengefahr" - die Bekannten von uns die oberhalb von Dresden eine Pension betreiben, haben 100% Stornierungen, ungerechtfertigter Weise. Wie sagt man so schön: die ertrinken trocken. Die haben kein Problem mit Wasser und nichts zu tun mit der Katastrophe." Was sind nach Ihrer persönlichen Meinung die Ursachen für die Überschwemmung? Halten Sie es für ein natürliches, ein klimatisch bedingtes oder ein durch den Menschen begünstigtes Ereignis? Ekkehard: "Die Rückstauebenen sind im Bereich des Elbarmes und auch oberhalb im Gebirge sehr stark eingeschränkt worden, also die Ausdehnungsmöglichkeiten der Flüsse. Wenn Flüsse begradigt werden erhöht sich die Fließgeschwindigkeit und das heißt, das Wasser ist schneller hier unten. Wenn Flächen versiegelt werden, kann der Boden das Wasser nicht mehr aufnehmen. Wenn Wälder nicht mehr existieren, können die Wurzeln das Wasser nicht mehr aufnehmen. Es ist sicher schon ökologisch bedingt, aber ich denke auch, dass es früher auch Hochwasser gegeben hat, und auch in dieser Dimension. Das ist eigentlich ein Zeichen, dass man sich auch in dieser Form zyklisch bewegt. Und man spricht immer vom "hundertjährigen Hochwasser". Und siehe da: es kommt tatsächlich, aber nicht nach 100 Jahren, sondern nach 150 Jahren, wieder so ein Hochwasser. Also man weiß, das kommt irgendwann, wenn eine Konstellation ungünstig ist. Das nun mit der globalen Erwärmung der Erde zusammenzubringen, halte ich aus meiner momentanen Sicht für gewagt. Das heißt nicht, dass diese Erwärmung nicht durchaus ihre intensiven Wirkungen auf die Erdatmosphäre hat, und das ist durchaus bedenklich." Wissen Sie schon, was Sie mit unseren Spendengelder kaufen wollen? Haben Sie schon einen Aufbauplan? Ekkehard: "Wir haben keinen genauen Aufbauplan. In Anbetracht der Tatsache, das wir ja auch der Muse sehr zugewandt sind, könnte ich mir vorstellen, dass man das gezielt für die Anschaffung eines gebrauchten Flügels wieder nimmt, einfach, weil das auch ganz wichtig für uns ist. Dann hätte man punktuell etwas, wo man sagen kann, ja, das ist was, und das haben wir von der Schule. Eine andere Möglichkeit ist das Thema der Arbeitsgrundlage, das für uns auch steht. Wo ich sage, in der Praxis könnte man das auch gut einsetzen. Das ist natürlich die Lebensgrundlage, insofern wichtiger, aber das andere ist für uns auch ganz, ganz wichtig." ------------------------- Andreas Wilken, S1

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